Mein Lada Niva (2) Von St. Petersburg nach Moskau

Lada Niva warten auf Käufer

Lada Niva warten an der Zollstation Moskau Khimki

Die Fahrt von St. Petersburg nach Moskau – ca. 850 km – war also mein erster richtiger Kontakt mit dem Lada Niva. Deshalb waren die Eindrücke, die ich dabei gewann, und die ich in diesem Post beschreiben werde, umso intensiver.

Lada Niva – typisch russisch-sowjetische Bauweise

Der Lada Niva 2131 macht zwar einen großen und robusten Eindruck, wirkt im Gesamten jedoch keineswegs grobschlächtig, plumb oder brutal. Nein, das zeitlos elegante Fiat-Design ist durchaus zu erkennen. Spätestens beim Anblick der schmucklosen matt-grauen Felgen mit den großen unverblendeten Radmuttern ist man jedoch wieder in Russland und ich werde bei diesem Anblick immer an die Antriebsräder und Laufrollen des sowjetischen T-34 Weltkriegs-Panzers erinnert, den ich beim letzten mal im Militärmuseum Belgrad gesehen habe und gegen den die gleichen Bauteile des gleich daneben stehenden deutschen Tigerpanzers aus der gleichen Zeit fast zart und filigran wirkten. Die Bauweise des Lada Niva wirkt also typisch russisch-sowjetisch – massiv und unkaputtbar.

Auch seine Türen kommen so massiv daher, dass sie unwirkürlich an einen Panzer, Schützenpanzer oder mindestens ein Militärfahrzeug erinnern. Man muss sie mit Kraft und Schwung zuknallen damit sie richtig ins Schloß schlagen und schließen. Der Klang dabei ist für sich schon jedes mal ein Protest an alle Leisetreter unter den modernen und post-modernen Autofahrern.

Lada Niva mit minimalistisch-asketischer Innenraum

Der Innenraum ist sehr übersichtlich, ja minimalistisch-asketisch gestaltet. Elektrische Fensterheber, Klimaanlage und Zentralverriegelung sucht man hier vergeblich. Und auch einen oder gar zwei Airbags gibt es nicht. Stattdessen gibt es die guten alten Handkurbeln, welche die Scheiben auch bei Eis und Schnee ohne Probleme öffnen, einen Innenraumventilator mit den Einstellmöglichkeiten warm oder kalt, stark oder sehr stark und einem Geräuschpegel, der gefühlt einem Flugzeugpropeller gleichkommt, sowie die vier Türknöpfe, die man alle einzeln bedienen muss und dafür sorgen, dass der Fahrer, nachdem die Passagiere dem Gefährt entstiegen sind, immer nochmal eine Runde um das Auto drehen und jeden Knopf drücken muss. Statt des Airbags gibt es im Lenkrad einen „Pralltopf“. Also lieber keinen Unall bauen.

Das Amaturenbrett in der Mittelkonsole des Niva enthält eine überschaubare Anzahl an Knöpfen für die wichtigsten Funktionen wie Licht, Scheibenwischer hinten, Scheibenheizung hinten, Innenraumventilator und Nebelrückleuchte. Die Knöpfe sind dabei so groß, einfach und robust gefertigt, dass man sie auch bequem ohne hinzusehen findet und auch mit den gröbsten Fausthandschuhen bedienen könnte. Warme Kleidung empfiehlt sich im Lada Niva auf jeden Fall, denn immer wenn es draußen kalt ist, muss ich auch den Innenraumventilator auf kalt schalten, weil sonst sofort die Scheiben beschlagen. Auch beschlagfreies Glas oder getrennte Scheibenbenbelüftung gibt es hier nicht.

Lada Niva – „Was es nicht gibt, kann auch nicht kaputtgehen!“

„Was es nicht gibt, kann auch nicht kaputtgehen.“ Das scheint das Motto zu sein, welches hinter der minimalistischen Ausstattung steht. Man beschränkt sich aufs wesentliche. Ein Blick auf den Bereich, wo sich bei einem normalen Auto der Schalthebel befindet, zeigt, was beim Lada Niva das Wesentliche ist – die Geländegängigkeit. Um diese bestmöglich zu garantieren besitzt der Lada Niva permanenten Vierradantrieb plus zuschaltbare Differentialsperre und Untersetzgetriebe. Dort wo ein normales Auto einen Schalthebel hat, hat der Lada Niva also drei. Wobei der Schaltknüppel für die 5-Vorwärtsgänge und den Rückwärtsgang ungewöhnlich lang ist und mich an den eines Traktors erinnert.

Außerdem findet man in der Mittelkonsole Zigarettenanzünder und Aschenbecher, also die Komfortausstattung der 70er Jahre. Ein Getränkehalter fehlt leider vollkommen. Damals gab es wahrscheinlich noch nicht so viele Tankstellen mit Coffee-To-Go Angebot oder man rauchte einfach mehr und trank weniger Kaffee.

850 km von St. Petersburg nach Moskau

Soweit zur Schilderung der Ausstattung. Den richtigen Eindruck eines Autos gewinnt man natürlich erst bei der Fahrt und die Strecke von St. Petersburg nach Moskau – ca. 850 km – war für mich die Gelegenheit, meinen ersten Lada Niva so richtig zu erleben. Das Fahrgefühl läßt sich am besten mit den Worten aktiv, laut und retro beschreiben. Gleich beim Losfahren bemerkt man, dass es eigentlich keine funktionierende Schallisolierung, wie man sie aus modernen Autos kennt, zu geben schein. Die Geräusche des Motors, des Fahrtwindes des Innenraumventilators und der Scheibenwischer vermischen sich zum unverwechselbaren Lada Niva-Sound und spätestens, wenn man sich auf der Autobahn befindet, meint man nachvollziehen zu können, wie sich die Autofahrer in den Zeiten gefühlt haben, als sie noch Lederkappen und Schutzbrillen trugen. Für mich ist dieses Auto eine Flucht aus der Zivilisation und der Übertechnisierung unserer heutigen Gesellschaft – wirklich retro.

Ab einer Geschwindigkeit von 90 km/h fing der Motor dann an, wirklich schrille Geräusche zu machen, welche aber nach dem Überschreiten der 100 km/h Grenze dann wieder leiser wurden und im pfeifenden Fahrwind untergingen. Bis auf 130 km/h habe ich das Auto bei dieser ersten Fahrt bringen können. Es ist wirklich kein Rennauto.

Lada Nada – Ein Klangerlebnis

Ich dachte, dass es mit den Geräuschen müsste bei einem Lada Niva so sein und habe mir keine weiteren Gedanken darüber gemacht. Aus dem Handbuch, welches ich aber erst nach meiner Ankunft in Moskau gelesen habe, habe ich dann erfahren, dass man beim Einfahren des Fahrzeugs auf den ersten zig-tausend Kilometer nicht mehr als 90 km/h fahren sollte. Gut, der Niva ist jetzt auch so bestens eingefahren. Beim nächsten mal, so habe ich es mir vorgenommen, werde ich den Rat beherzigen.

Und noch ein weiterer Nachtrag zum Fahrtlärm und der begrenzten Schallisolierung. Beim Lada Niva befindet sich das Reserverad vorne im Motorraum. Ein Grund für diese eigentliche ungewöhnliche Stelle der Unterbringung des Ersatzrades ist, dass dieses dort als zusätzliche Schallisolierung dienen und einen großen Teil des Motorengeräusche schlucken würde. Interessant wäre es, dieses ein mal auszuprobieren, das Reserverad einmal auszubauen und ohne dieses auf die Autobahn oder Schnellstraße zu fahren.

Nach einer Tagesfahrt voller neuer Eindrücke bin ich dann gut in Moskau angekommen. Dort habe ich den Wagen dann ein, zwei Wochen in der Stadt gefahren und im Gelände am Stadtrand belastet und getestet. Im Gelände ist er wirklich nicht zu schlagen. Sand, Schlamm, Gebüsch, Steigung und Hindernisse – er kommt überall durch oder drüber und steckt einiges weg.

Lada Niva – Probleme mit der „intelligenten Pedalerie“

Aber schon bald ist ein erstes Problem aufgetreten, welches darin bestand, dass der Wagen plötzlich kein Gas mehr annahm. D.h. ich drückte auf das Gaspedal, der Wagen kam aber nicht vorwärts, beschleunigte nicht und fiel sogar zurück. Keine angenehme Situation, wenn einem so etwas auf einer Kreuzung oder an einer Steigung passiert. Nach ein paar Tagen Erfahrung und Nachforschungen in diversen Niva-Foren hatte ich gelernt, dass man wenn diese Situation auftrat, das Gaspedal erst vollständig loslassen und dann erneut treten sollte. Das half zwar mehr oder weniger für den Moment, war aber natürlich keine Lösung. Deshalb kam der Wagen schon nach den ersten 960 km in die Werkstatt. Typisch Lada würde man sagen. Ursache des Problems war ein Defekt an der „intelligenten“ oder elektronischen Pedalerie. Der Sender an dieser Pedalerie verwechselte Gas und Kupplung. Das nenne ich „intelligent“ und gefährlich.

Diese elektronische oder „intelligente“ Pedalerie ist ein Neuerung des Lada Niva und gleichzeitig eine Schwachstelle. Der Vorfall bestätigte im Umkehrschluss das Niva-Motto „Was es nicht gibt, kann nicht kaputt gehen.“ Der Sender wurde auf Garantie repariert und die Empfehlung der Werkstatt lautete, ihn auszutauschen, wenn so ein Problem noch einmal auftreten würde.

Das Auto sollte weiter in das ca. 2800 km von Moskau entfernte Montenegro. Zum Glück ist mir diese Panne vor meiner Weiterfahrt passiert, nicht unterwegs und auch danach nicht mehr. Toi, toi, toi. Aber Vorsicht. Sag niemals Niva. Gute Fahrt.

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