Warum Unternehmer? (2) Immaterielle Ziele

immaterielle Ziele 160508Im vorangegangenen ersten Teil dieser Artikelserie „Warum Unternehmer?“ haben wir zusammen darüber nachgedacht, warum man Unternehmer wird. Die Gründe dafür haben wir in einem Brainstorming ermittelt und aufgeschrieben. Wir haben erkannt, dass man aus diesen Gründen konkrete Ziele, für die Motivation und Orientierung des Unternehmers brauchbare Ziele ableiten und formen muss. Wir haben uns bereits mit Geld und den materiellen Zielen beschäftigt und bemerkt, dass es neben den materiellen Zielen auch immaterielle Ziele gibt. Dieser Teil der Artikelserie „Warum Unternehmer?“ ist diesen immateriellen Zielen des Unternehmerseins gewidmet. Wir werden diese Ziel konkretisieren und dann mit den anderen Zielen in einen Zusammenhang bringen. Weiterhin wirst Du in Form von Beispielen und Vorlagen Anleitung, Hilfe und Inspiration finden, Dein eigenes ganzheitliches Unternehmerziel zu formulieren.

Freiheit und Selbstbestimmung als immaterielle Ziele

Gründe wie „Freiheit“, „Selbstbestimmung“, „ein interessantes Leben“, „Herausforderungen“ werden nach dem „Geld“ am meisten als Gründe für das Unternehmertum genannt. Genauso wie im vorangegangenen Teil diese Artikelserie „Warum Unternehmer?“ beginnen wir auch hier mit diesen allgemeinen Begriffen, um daraus im weiteren Verlauf Ziele zu formen. Überlegen wir doch zunächst einmal, was diese Begriffe konkret bedeuten. Wie kann man „Freiheit“, „Selbstbestimmung“ oder ein „interessantes Leben“ konkreter ausdrücken oder für sich selbst definieren? Über die finanzielle Freiheit hatten wir uns bereits bei der Erörterung des Geldziels und der immateriellen Seite von Geld Gedanken gemacht. Weiterhin kann man „Freiheit“ z.B. definieren als die Freiheit von den Weisungen eines Vorgesetzten, als Freiheit von den Entscheidungen seines Arbeitgebers oder einfach als „sein eigener Chef sein.“ Aber Vorsicht, Es gibt nämlich auch mehr genug Unternehmer, welche ihr eigener Chef und fleißigster Angestellter in einer Person sind. Wenn wir später in diesem Artikelserie auf das Ziel der Lebensqualität zu sprechen kommen, dann nicht zuletzt deswegen, um uns davor zu bewahren, der Sklave unseres eigenen Unternehmens oder unserer Kunden und Geldgeber zu werden. Auch Freiheit ist also ein Ziel, über welches man sich zunächst ganz genau klar werden muss.

Neugierde und Ehrgeiz als Charaktereigenschaften von Unternehmern

Dies gilt natürlich auch für die anderen genannten immateriellen ZIele. Schauen wir uns doch einmal die Begriffe „Interessantes Leben“ und „Herausforderungen“ an. Was bedeutet ein interessantes Leben konkret? Was genau sind für Dich Herausforderungen? Wenn man sich zum Ziel nimmt, ein interessantes Leben zu führen, dann hat das etwas mit Neugierde zu tun. Man ist neugierig auf etwas Neues, möchte neue Dinge erfahren und nicht jeden Tag das gleiche machen. Dem Ziel, Herausforderungen anzugehen und zu meistern, liegt der Wunsch zugrunde, sich zu messen, über sich hinauszuwachsen, sich nicht mit dem zufriedenzugeben, was man schon erreicht hat, sondern nach Besserem zu streben und mehr zu erreichen. Neugierde und Ehrgeiz sind Charaktereigenschaften, die man bei fast allen erfolgreichen Unternehmern findet.

Bewusstes Verlassen der Komfortzone

In der Erfolgsliteratur wird in diesem Zusammenhang auch vom bewussten „Verlassen der Komfortzone“ gesprochen. Der Gedanke dabei ist kurz gesagt dieser. Verlasse Deine Komfortzone und Du wirst Neues entdecken und Dich weiterentwickeln. Egal ob beim Sporttraining oder im Geschäft – das Verlassen der Komfortzone ist eine ganz wichtige Bedingung für Wachstum. Oder: Wer immer das tut, was er schon immer gemacht, bekommt auch nur das, was er schon immer bekommen hat. Zielsätze hinsichtlich „Neugierde“ und „interessantes Leben“ könnte man beispielsweise so lauten: „Ein interessantes Leben bedeutete für mich, mindestens im Jahr in ein Land zu reisen, in dem ich noch nie war.“ oder „Herausforderung bedeutet für mich, den Gewinn meines Unternehmens pro Jahr um mndestens 25% zu steigern.“ oder „Um meine Komfortzone bewusst und regelmäßig zu verlassen, nehme ich mindestens einmal pro Quartal an einer mindestens eintägigen Weiterbildungsmaßnahme teil.“

Das sogenannte Weltverbesserungsziel

Ein weiteres wichtiges immaterielles Unternehmerziel ist das von mir so genannte Weltverbesserungsziel, welches bedeutet, dass man mit seinem Produkt, seiner Dienstleistung oder seiner Idee die Welt verbessern oder – etwas bescheidener ausgedrückt – die Welt ein kleines Stück besser machen will. Wenn dieses Ziel bei Seminaren oder Brainstormings genannt wird, ist oft bei einigen Seminarteilnehmern – vor allem bei denen, die sich selbst als harte Geschäftsmänner ansehen – für einige Sekunden mindestens der Anflug eines Schmunzeln zu erkennen. Diese Schmunzeln kommt vermutlich daher, weil dieses positive, mächtige und wirkungsvolle Argument für die, die es vielleicht zum ersten mal in diesem Zusammenhang hören und sich vorher noch nicht damit beschäftigt haben, idealistisch oder weltfremd klingt.

Ich  habe mich viel mit Zielsetzung, Zielvisualisierung, Willenskraft, NLP, Meditation und Gebet beschäftigt. Und eine Lehre, die ich daraus mitgenommen habe ist, dass Ziele, die mit einem positiven Gedanken und einer gewissen Selbstlosigkeit aufgeladen werden, eher erreicht werden können und deren Erreichung glücklicher macht, als rein egoistische oder gar negative Ziele. Die Erfahrung, die ich während meiner eigenen Unternehmertätigkeit gemacht habe, hat mir zahllose Male bestätig, dass das sogenannte Weltverbesserungsziel ein starkes und mächtiges Unternehmerziel sein kann.  Zum ersten gibt es der ganzen Sache einen sehr positiven gesellschaftlichen Zusatz und damit die Ganzheitlichkeit. Alle zuvor genannten ZIele haben sich ausschließlich auf den Unternehmer selbst bezogen. Wir können also von selbstbezogenen ZIelen sprechen. Geld, Freiheit, Unabhängigkeit – es ging bisher immer nur darum, was der Unternehmer davon hat, wenn sein Unternehmen erfolgreich ist. Bei dem Weltverbesserungsziel geht es jetzt erstmals nicht mehr nur um den Unternehmer, sondern auch um die anderen wichtigen Anspruchsgruppen wie Kunden, Mitarbeiter und Investoren. Dieses Ziel schließt die anderen mit ein. „Geben ist seliger denn nehmen.“ oder „Denke zuerst an Deinen Kunden, dann kommt das  Geld von ganz allein., so könnte man den Wirkmechanismus des sogenannten Weltverbesserungsziels auch beschreiben.

Konkretisieren wir dieses Ziel einmal und wir werden sehen, wie es wirkt. „Ich will mit meinem Unternehmen oder Produkt/ Dienstleistung/ Idee die Welt verbessern.“ könnte es lauten. Die Fragen, die offen bleiben sind, wie oder womit konkret und wem soll geholfen werden. Denn selten ist es wirklich die ganze Welt. „Mein Unternehmen erbringt professionelle Beratungs- und Outsourcingsleistungen in den Bereichen Buchhaltung, Finanzen, Steuern und Recht für internationale Unternehmen in Russland. So verbessern wir die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen und schaffen mehr Lebensqualität für unsere Kunden, Mitarbeiter und Investoren.“ So lautet z.B. eines meiner Unternehmensziele.

Kunden- und Mitarbeiterziele einbeziehen

Dieses Ziel bezieht also außer dem Eigentümer auch die Kunden und Mitarbeiter mit ein. Und wer könnte für den Erfolg des Unternehmers wichtiger sein als seine Kunden und Mitarbeiter? Gleichzeitig bringt es die positive Komponente der Lebensqualität mit ins Spiel. Auf das Konzept der Lebensqualiät werden wir später noch einmal zu sprechen kommen. Ein weiterer Vorteil dieses Zieles ist es, dass man es auch gleichzeitig als Unternehmensvision  nutzen und für Werbe- und Motivationszwecke an Kunden und Mitarbeiter kommunizieren kann.

Ein weiterer Grund, welcher zwar nicht so häufig genannt wird wie die anderen, ist dieser. „Ich liebe die Arbeit.“ Ja, das nennt man intrinsische Belohnung – eine Belohnung also, die nicht in der Bezahlung für die Arbeit, sondern in der Arbeit selbst liegt. Man macht etwas nicht nur wegen der Bezahlung, sondern auch, weil es einem Spass macht. Ein sehr wichtiges Prinzip, denn nur, was der Mensch liebt, wird er dauerhaft erfolgreich leisten. Aber Vorsicht. Dieser Grund ist auch einer der missverständlichsten und gefährlichsten.

Unternehmer sein und Spaß an der Arbeit – Vorsicht!

Unternehmer sein, um damit seine finanziellen Ziele zu erreichen und gleichzeitig Spaß an der Arbeit zu haben. Natürlich geht das. Die meisten erfolgreichen Unternehmer haben Spaß an ihrer Arbeit. Wenn Du dieses Spaß-an-der-Arbeit-Ziel aufstellst, sei Dir dabei aber über diese beiden Fragen klar:

1) Welche Arbeit(en) genau meinst Du, wenn Du sagst „Ich liebe meine Arbeit!“? und

2) Welche Arbeit macht ein Unternehmer?

Nehmen wir die Abkürzung und fangen wir mit der Beantwortung der zweiten Frage an. Als Unternehmer lässt Du andere „die Arbeit“ machen. Deine Aufgabe ist es in allererster Linie, durch Planung, Kontrolle, Motivation und Systemaufbau die die Umgebung (Dein Unternehmen) zu schaffen, in der Deine Mitarbeiter optimal arbeiten können. Die Arbeit eines Unternehmers unterscheidet sich also grundlegend von der eines Facharbeiters. Hierüber gibt es oft falsche Vorstellungen, was zu falschen Zielen und Enttäuschungen führen kann. In dem von mir sehr empfohlenen Buch „Der 4-Tage-Firmenscan“ wird die Aussage „Ich liebe meine Arbeit“ gar unter den größten Fehlern eines Unternehmers angeführt und denen, die gerne arbeiten, wird dort ganz direkt empfohlen, sich in der Firma eines anderen zu bewerben.

Die folgende Abbilidung zeigt ein mögliches Zielsystem, welches sich aus materiellen Zielen, immateriellen Zielen und dem „Weltverbesserungsziel“ zusammensetzt.

Materielle, immaterielle und Weltverbesserungsziele

Abbildung – materielle und immaterielle Unternehmerziel, sowie das Weltverbesserungsziel

So gut wie jeder Mensch verfolgt gleichzeitig materielle und immaterielle Ziele. Auch wenn der eine sich einen Mercedes SLR und der andere sich eine Harley Davidson als bildliche Motivation vorstellt, so sind es beides materielle Ziele, die direkt mit dem Geld zu tun haben. Dieses Schaubild kann Die also als Übersicht und Orientierung dienen. Du kannst es ausdrucken oder nachzeichnen und Deine ganz perönlichen Ziele hinzuschreiben. Dieses Schaubild zeigt auch, dass diese Ziele sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern sich gegenseitig ergänzen und fördern können. Das Weltverbesserungsziel stört Dich z.B. überhaupt nicht dabei, viel Geld zu verdienen. Im Gegenteil, es kann Dir sogar helfen, noch mehr Geld zu verdienen. Ziele, wenn sie richtig formuliert sind, können sich sich gegenseitig verstärken und unterstützen.

Setz Dir ein Weltverbesserungsziel

Außer den materiellen und immateriellen Zielen zeigt das Schaubild einen dritten Kreis. Das „Weltverbesserungsziel“. Hast Du Dir schon ein „Weltverbesserungsziel“ gesetzt? Hast Du Dir schon überlegt, wem Dein Geschäft außer Dir noch nutzen soll? Falls nicht, denk darüber nach. Man kann die Fragen auch so stellen. Was haben Deine Kunden davon, bei Dir zu kaufen? Nicht nur einmal, sondern wiederholt, immer wieder. Was haben Deine Mitarbeiter davon, bei Dir zu arbeiten und Deine Kunden glücklich zu machen? Nicht nur heute oder morgen, sondern jeden Tag über Jahre hinweg, vielleicht das ganze Leben lang. Wenn Du ein Unternehmen schaffen kannst, das Deine Kunden und Mitarbeiter glücklich macht, dann werden sich Deine persönlichen finanziellen Ziele wie von allein erfüllen.

Fremdgesetzte Ziele sind nicht Deine Ziele

Bevor wir weitergehen und konkrete ZIele formulieren werden, möchte ich noch ein paar immaterielle Gründe anführen, die bisher nicht behandelt wurden. Es geht um solche Gründe wie „Meine Eltern wollen, dass ich das Unternehmer werde.“ oder „Meine Frau wil, daß ich mich selbständig mache.“ oder „Das Arbeitsamt hat mir empfehlen, mich selbständig zu machen.“ Um es kurz und direkt zu sagen: diese Gründe sind für ein erolgreiches Unternehmersein völlig ungeeignet, denn es sind fremdbestimmte Gründe und nicht die eigenen. Wenn Du solche Gründe notiert hast, dann empfehle ich DIr, diese zu verwerfen. Es geht um Dich, nicht um andere. Es ist Dein Unternehmen und Du wirst dafür ranklotzen – nicht Deine Eltern, nicht Deine Frau – auch wenn diese Dich natürlich unterstützen und Dir helfen sollen – und schon gar nicht das Arbeitsamt oder Job Center. Deshalb empfehle ich Dir, solche fremdbestimmten Ziele zu verwerfen, in Dich zu gehen und Deine eigenen Ziele, warum Du Unternehmer sein willst zu finden.

Wir haben uns in diesem Artikel nun ausführlicher mit den immateriellen Zielen des Unternehmerseins befasst. Im nächsten Artikel der Serie „Warum Unternehmer?“ wollen wir uns genauer ansehen, was ein ganzheitliches Unternehmerziel ist und wie man sein persönliches ganzheitliches Unternehmerziel formulieren kann.

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